• Sandra Tögel

𝔼𝕚𝕟𝕞𝕒𝕝 𝕒𝕦𝕗𝕨𝕒𝕔𝕙𝕖𝕟 𝕦𝕟𝕕 𝕤𝕔𝕙𝕒𝕣𝕗 𝕤𝕖𝕙𝕖𝕟... [2]

Aktualisiert: Apr 23

...ist zum Greifen nahe!


Es wird ernst

Als wir in die Ordination kamen, wurden wir freundlich begrüßt und man fragte mich, wie es mir geht. Mir ging es tatsächlich gut, ich war die Ruhe selbst, konnte aber trotzdem alles um mich klar wahrnehmen – Punkt für die Tablette!

Ich wurde gebeten noch etwas Platz zu nehmen und mir wurden die Augen eingetropft. Dann durfte ich richtig stylische OP-Schühchen und ein flottes Häubchen aufsetzen, um so auf das Ende meiner Tage als Brillenschlange zu warten. Nach einer kleinen Kontrolle im normalen Behandlungsraum, durch den Professor höchstpersönlich, kam ein paar Minuten später der nette Optiker vorbei: „Wissen Sie, was das bedeutet, wenn ich meinen Mundschutz oben hab‘? Das heißt, es wird ernst!“.


Er geleitete mich zu einem kleinen, von mir bisher unerforschten Raum. Durch meine -5 Dioptrien hindurch nahm ich wahr, dass hier ein paar große Maschinen standen und es ziemlich dunkel war. Zwischen den Maschinen befand sich eine schwenkbare Liege und ich wurde gebeten, mich dort hinzulegen. Ich bekam zwei Stressbälle in meine Hände, über die ich richtig froh war und man deckte mich zu. Mein Kopf wurde richtig platziert und dann zwischen zwei aufblasbaren Pölstern eingeklemmt – zumindest fühlte es sich so an.

Ich lag einfach dort und wartete, was passieren würde. Der Professor erklärte mir jeden Schritt, was auf mich, als Mensch, der gerne alles unter Kontrolle hat, sehr beruhigend wirkte.


Und dann ging es los. Zuerst wurden meine Wimpern nach oben und unten weggeklebt und mein komplettes rechtes Auge wurde zugeklebt. Links bekam ich betäubende Augentropfen eingetropft. Dann wurde ich unter ein helles Licht geschwenkt und in meinem offenen Auge wurde etwas eingeklemmt, damit ich es nicht mehr schließen konnte. Das war für mich aber nicht schmerzhaft. Als nächstes kam der wohl unangenehmste Schritt, die Öffnung der Hornhaut. Mein Auge wurde von diesem Gerät angesaugt und ich hatte ein ziemlich starkes Druckgefühl, das war einfach nur schirch. Es wurde finster – lediglich durch mein abgeklebtes Auge konnte ich noch einen Lichtschein wahrnehmen und ich hörte die Geräusche der Maschinen.

Laut meiner eigenen Aussage auf dem „Danach-Video“, war das Ganze aber „voll okay, weil ich voll unter ‚Drogen‘ stand“. Da muss ich immer wieder lachen.

Der Vorgang war rasch vorbei und das „Ding“ ließ meinen Augapfel wieder aus seinen Fängen, sodass ich verschwommen, aber doch, wieder etwas sehen konnte. Das war allerdings nur von kurzer Dauer, weil mir gleich jenes Auge zugeklebt wurde, um die Prozedur am anderen Auge zu wiederholen. Also wieder eintropfen, spreizen, ansaugen, schneiden und dann war es auf einmal ganz dunkel. Logisch, weil mein linkes Auge bedeckt auch keine weitere optische Wahrnehmung zuließ.

Der Professor erklärte weiter, was passierte und ich fühlte mich weiterhin gut aufgehoben und ruhig.

Ich wurde auf die andere Seite unter den Laser geschwenkt. Jetzt war wieder das linke Auge an der Reihe. Es wurde gespült und der Flap wurde weggeklappt. Das war ehrlichgesagt ziemlich gruselig. Dadurch, dass man weiß, was passiert, denkt man sich natürlich vorher schon aus, wie es sein wird, wenn einem jemand mit einem Stäbchen im Auge „umrührt“ – es wurde absolut professionell und perfekt gearbeitet, der Ausdruck soll nur mein seltsames Gefühl dabei veranschaulichen. Als sich der Hornhautteil dann wegklappen ließ, verschwamm meine Sicht extrem. Das war auch für meinen Kopf im ersten Moment schwer zu verarbeiten. Das Lasern selber spürt man nicht, man hört es nur knattern. Sofort wurde der Flap wieder zurückgeklappt und ich konnte schon eine etwas schärfere Sicht erahnen! Motiviert durch diese Erkenntnis, verging der gleiche Vorgang am rechten Auge gleich viel schneller. Zum Schluss bekam ich noch je eine Schutzlinse ins Auge.


Danach durfte ich mich schon wieder aufsetzen. Zu meinem Erstaunen konnte ich gleich auf der gegenüberliegenden Wand an der Uhr sehen, wie spät es ist und musste das durch meine etwas gesenkte Hemmschwelle natürlich auch gleich kundtun - dabei blickte ich in das amüsierte Gesicht des Optikers, der das nach seiner langjährigen Erfahrung sicher das erste Mal hörte. Da bin ich mir ganz sicher!

Ich wurde gebeten, in den Behandlungsraum mitzukommen. Dort stellte der Professor fest, dass noch eine kleine Falte auf meinem rechten Auge zurückgeblieben ist. Also nochmal ins andere Zimmer, Schutzlinse raus, die Hornhaut noch ein bisschen mit dem Stäbchen zurechtgerückt, Linse wieder drauf und nochmal kontrolliert. Das war mir dann auch schon egal, nach dem Erfolg, den ich allein schon zwei Minuten nach der eigentlichen Operation sehen konnte – im wahrsten Sinne des Wortes!


Im Wartezimmer erwarteten mich meine Eltern schon mit der vorher mitgebrachten Sonnenbrille, die ich zum Schutz tragen sollte. Außerdem bekam ich noch zwei durchsichtige ‚Deckel‘, die ich in der ersten Nacht tragen musste und ein „Alles Gute“ von der wohl liebsten Sprechstundenhilfe überhaupt.


Schutzdeckel on fleek

Zuhause angekommen fühlte ich mich einfach nur müde von der Tablette, ich war wie aus Gummi. Ich hatte noch einen Zettel mit ein paar Anweisungen bekommen, demnach tropfte ich gleich die erste Ladung der zwei verschiedenen Augentropfen ein, klebte mir die Augendeckel an und schlief für zwei Stunden, bevor ich das nächste Mal die Tropfen brauchte. Zwei Stunden später also weckte mich meine Mutter und ich stand erstmal total neben mir, da sich die Zeit, die ich geschlafen hatte, für mich nicht länger als 5 Minuten angefühlt hatte. Danke Beruhigungstablette!

Langsam kam ich wieder in die Gänge und konnte ein erstes Fazit ziehen: Ich sehe wie durch einen Schleier, aber was ich so sehe, ist scharf. Das Licht ist ein bisschen unangenehm – zum Glück habe ich meine Sonnenbrille. Fremdkörpergefühl, wie angekündigt konnte ich keines wahrnehmen! Und ich bin einfach nur K.O. von dieser Tablette. Die hat mich komplett umgehauen, ich bin aber froh, dass ich sie hatte.


„Oh mein Gott, ich seh’ was! Das ist unglaublich! Voll arg, einfach nur arg!“ – Ich war begeistert, überwältigt!


Den restlichen Abend verbrachte ich mit Telefonieren, Musikhören und „Fernhören“, weil man gleich danach weder auf’s Handy schauen darf (auch gar nicht kann) noch die Augen in irgendeiner anderen Form anstrengen darf. Das Tropfschema hielt ich brav ein und bald überkam mich die Müdigkeit, ich klebte meine Schutzdeckel wieder an und schlief ein.


"Oh, eine Blutung."

Gleich am nächsten Tag in der Früh war eine kleine Nachkontrolle, bei der auch gleich die Schutzlinsen entfernt wurden. Ich bekam einen Termin für eine weitere Kontrolle ein paar Tage später.

Kurz vor der nächsten Kontrolle bemerkte ich noch je einen roten Punkt in meinen Augen, was sehr wild und zugegebenermaßen auch ein bisschen cool aussah.


Die Reaktion des Professors war lediglich ein „Oh, eine Blutung.“ und weiter nichts. Er ist überhaupt ein sehr lässiger Typ und keiner von den Ärzten, die einen von oben herab spüren lassen, dass sie viel besser sind als man selbst, was ich, als unsicherer Mensch, sehr angenehm finde!

Nach ein paar Wochen waren die Blutungen dann auch wieder weg.


Meine Sicht wurde immer besser. Anfangs hatte ich ziemliche Panik, dass ich mir unabsichtlich ins Auge fahr‘ oder im Schlaf meine Augen reibe. Das mache ich eigentlich nie, aber wenn man etwas auf gar keinen Fall machen darf, kann es schon sein, dass einem das Unterbewusstsein da einen Streich spielt.

Ich musste die Augentropfen immer weniger verwenden und bald schon war wieder alles ganz normal. In regelmäßigen Abständen musste ich zur Nachkontrolle. Am Längsten dauerte es, bis ich mich in der Nacht beim Autofahren wieder sicher fühlte, da sich sehr lange die Lichter stark streuten.


Wenn es doch so einfach wäre..

Es vergingen Monate, ein halbes Jahr und schließlich fast ein ganzes Jahr, in dem ich Zeit hatte mein neues Sehen auszutesten. Aber irgendwie merkte ich bald, dass es nicht so hundertprozentig zufriedenstellend war. Ich konnte Autokennzeichen vor mir ab einem gewissen Abstand nicht mehr so richtig lesen, musste mich anstrengen, beim Fernsehen und hatte Mühe, Straßenschilder und andere Tafeln zu lesen. Anfangs schob ich es noch auf meinen Kreislauf und meine trockenen Augen. Auch der Professor meinte zuerst, dass sich das noch gibt.


Kurz vor meiner letzten Nachkontrolle, fast ein Jahr nach der Operation, setzte ich mich in der Uni im Hörsaal in eine mittlere Reihe und bemerkte, dass ich immer noch nicht lesen konnte, was vorne auf der Tafel stand. Bei meinem Termin schilderte ich diese Situation. Es wurde probiert, ob man diese Unschärfe durch eine Sehhilfe ausgleichen konnte und es war gleich ein ganz anderes Sehgefühl, als ich durch diese Augenarztbrille mit den richtigen Werten durchsah.


Da war es dann klar: zirka eine halbe Dioptrie fehlt noch – wir müssen nachlasern!



...weiter geht's im dritten Teil!

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