• Sandra Tögel

𝔼𝕚𝕟𝕞𝕒𝕝 𝕒𝕦𝕗𝕨𝕒𝕔𝕙𝕖𝕟 𝕦𝕟𝕕 𝕤𝕔𝕙𝕒𝕣𝕗 𝕤𝕖𝕙𝕖𝕟... [1]

Aktualisiert: Apr 23

...ist wahrscheinlich der Traum eines jeden Kurzsichtigen.



Vom Sehen und Nicht-Sehen

Was, wenn du dein Leben lang schlecht siehst und dann hast du plötzlich die Möglichkeit „normal“ zu sehen? Okay, man könnte sagen, dass 23 Jahre oder die 18 Jahre davon, die ich eine Brille tragen musste, nicht viel sind. Trotzdem, es ist genug „Leben lang“, um nie gewusst zu haben, wie es sich anfühlt, in der Früh aufzuwachen und scharf zu sehen. Genug, um sich ständig zu ärgern, dass man auf der Seite liegend mit Brille einfach scheiße sieht, weil die Brille verrutscht. Um die Notlage, eine Kontaktlinse zu verlieren zu kennen und zu wissen, dass man deswegen immer eine Ersatzbrille dabeihaben sollte – nach dem ersten Kontaktlinsenverlust ohne griffbereiter Brille, versteht sich. Oder das Gefühl, mit Kontaktlinsen ein Mittagsschläfchen zu halten, nur damit man nach dem Aufwachen diese eingetrockneten, angesaugten Dinger im Auge erstmal wieder durch das Beschwören jeder einzelnen Tränendrüse befeuchten darf, um etwas zu sehen. Die Rede ist hier von weichen Kontaktlinsen – harte Linsen hatte ich damals zirka zwei Stunden in meinen Augen bevor ich kapitulierte und das erste Mal richtig froh war, wieder meine Brille aufzusetzen. Will man im Sommer spontan zum Vampir mutieren, muss man nur vergessen, dass man Kontaktlinsen trägt, geschminkt ist und beim Schwimmen untertauchen. Ich empfehle hier eine wimpernfärbende tiefschwarze Wimperntusche und am besten noch unter Wasser die Augen öffnen, die lila-schwarz gefärbten Kontaktlinsen sind ein richtiger Hingucker. Für alle anderen, man selbst sieht nämlich nicht mehr viel. Von nächtlichen Brillensuchaktionen, bevor man unfallfrei auf’s Klo findet, ganz zu schweigen.


Ja, es gibt wesentlich schlimmere Dinge auf dieser Welt und auch wesentlich schlechter sehende Menschen als ich es war, mit meinen -5 Dioptrien. Aber wenn man täglich mit diesen kleinen Aufgaben kämpft, die einem so eine Sehschwäche nun mal stellt, überlegt man nicht zwei Mal, wenn man die Möglichkeit hat, sich einer Augenlaseroperation zu unterziehen und das Ganze einfach hinter sich zu lassen. Wobei ich auch Leute kenne, die zu viel Respekt vor so einem Eingriff haben – vielleicht bin ich doch eine kleine Draufgängerin?


Schon vor sieben Jahren ließ sich meine Mutter die Augen lasern und ich war absolut neidisch. Damals war ich noch viel zu jung und weit davon entfernt einen stabilen Dioptrienwert zu haben. Man sagte uns, dass das für mich frühestens mit 25 Jahren möglich sei. Ich schlug mir das also lange wieder aus dem Kopf.


Projekt Augenlasern

Ich habe keine Ahnung warum, aber im November 2017 hatte ich dann eine Eingebung und begann selbst zu recherchieren. Mir kam das komisch vor – warum 25? Normalerweise ist 18 Jahre immer der Richtwert für so zirka alles. Bei meiner Internetsuche fand ich heraus, dass man, wie vermutet, mindestens volljährig sein muss und einen stabilen Wert haben sollte, um sich einer Laseroperation unterziehen zu können. Mit der Erlaubnis meiner Eltern, weil Geldgeber, rief ich in dem Augenlaserzentrum an, wo auch meine Mutter damals war. Ich telefonierte mit dem dortigen Hausoptiker, der mir von den am Telefon zu besprechenden Voraussetzungen her grünes Licht gab und mit mir einen Termin zu einem Erstgespräch vereinbarte. Dieses sollte, nach einem amüsierten „Oh, da hat’s aber jemand eilig“, gleich eine Woche später stattfinden.


Bei dem Gespräch wurden grundlegende Dinge mit mir besprochen, wie persönliche Daten, wie lange sich meine Sehschwäche nicht mehr verändert hatte, seit wann ich Kontaktlinsen trug und was ich gerne in meiner Freizeit mache. Hier wurde ich darauf hingewiesen, dass ich zwei bis drei Wochen nach der Operation staubige Orte, wie den Stall, in dem mein Pferd ist, eher meiden sollte. Mir wurde erklärt, welche verschiedenen Methoden es gibt und im Endeffekt kam für mich sowieso nur jene, ohne Schmerzen und mit der kürzesten Heilungsphase in Frage, die Femto-Lasik Methode. Außerdem wurden noch genau meine Dioptrien zu dem Zeitpunkt ermittelt und die Dicke meiner Hornhaut bestimmt, da beim Eingriff ein Stück von der Hornhaut aufgeklappt werden sollte. Da soweit alles unauffällig war, wurde ich zur offiziellen Voruntersuchung eingeladen – Yeah, ich bin im Recall!


Diese sollte zwei Wochen später sein. Bis dahin durfte ich keine Kontaktlinsen tragen, damit mein Auge so natürlich und unangetastet wie möglich untersucht werden konnte. Meine Begeisterung war alles andere als groß, da ich immer meine Kontaktlinsen trug und mich mit Brille einfach schrecklich fand. Aber da musste ich durch und eigentlich gibt es auch Schlimmeres – zumindest musste ich mich zwei Wochen lang nicht schminken.

Tschüss Brille!

An dem alles entscheidenden Tag im Augenlaserzentrum angekommen, musste ich mir gleich mal ein Video ansehen, wo genau gezeigt wurde, was denn mit meinen Augen passieren würde, sollte ich die Laserbehandlung machen können. Nachdem mein Magen gerade einen starken Tag hatte und ich mich erstaunlicherweise auch dafür interessierte, sah ich mir die gezeigten Szenen genau an. Zum Glück war es nur eine Animation. Ich werde versuchen, das in meinen Laienworten wiederzugeben, was ich da gesehen habe. Zuerst wurde dem Auge im Film ein Kreis in die Hornhaut ‚geschnitten‘ und diese wurde dann auf die Seite geklappt – das hieß dann „Flap“. Auf dieses aufgeklappte Auge zielte dann der Laser und drückte alles dahinter ein Stück nach hinten, damit die Brechung wieder richtig funktioniert und scharf dort ankommt, wo das Bild dann eben ankommt. Ich sagte ja, keine medizinischen oder anatomischen Fachbegriffe vorhanden. Danach wurde der/die/das Flap wieder zurückgelegt und das war’s. Klingt grauslicher, als es war. Mit dem Video gut eingestimmt wurde ich aufgerufen und wieder von dem freundlichen Optiker empfangen. Er führte ein paar unspektakuläre Tests durch und stellte mich dem Professor vor, der die Operation durchführen würde und auch dieser gab die Bahn frei!

Wir gingen noch die alt bekannten „Ich-muss-Sie-über-alles-informieren-was-eventuell-passieren-könnte-aber-in-den-letzten-100-Jahren-eh-nicht-passiert-ist“ Zettel durch und ich bekam eine Anleitung, wie ich die Augen nach dem Eingriff eintropfen musste und was ich in der Zeit danach beachten sollte. Zu meiner großen Erleichterung klebte an dem ärztlichen Absicherungs-Zettel eine „Mir-ist-alles-egal-Tablette“.


Die Tage davor

Um diesen lebensqualitätsverbessernden Schritt in all seinen Facetten festhalten zu können, führte ich ab zwei Tage vor dem Eingriff ein kleines Videotagebuch.


Zwei Tage davor war das Ganze für mich einfach nur unwirklich. Mein Kopf wollte einfach nicht glauben, dass es so „einfach“ sein soll, diese Sehschwäche loszuwerden und nie wieder eine Brille tragen zu müssen. Mag sein, dass diese Denkweise einfach nur einer von meinen seltsamen Schutzmechanismen war, aber es bewirkte, dass ich absolut nicht nervös war zu diesem Zeitpunkt.


Das nächste Video entstand einen Tag vorher, am Vormittag. Mein Vergangenheits-Ich im Video war immer noch nicht nervös, hat aber in der Nacht davor schlecht geschlafen. Noch immer wollte es mein Kopf nicht realisieren, auch nicht, nachdem ich mir einige Erfahrungsberichte über jene Augenlaseroperation durchgelesen hatte. Allerdings las ich darin auch, dass einige Leute davor noch ihre Wohnung putzten, um nach der OP in einer möglichst staubarmen Umgebung zu sein. Das setzte ich dann auch um – wenn vielleicht auch etwas übervorsichtig. Mein präoperatives Ich war zu dem Zeitpunkt immer noch „voll gechillt“ und freute sich einfach nur wie verrückt.


Das Einzige, was mir ein bisschen Kopfzerbrechen machte, war die Entscheidung, ob ich diese Tablette gegen die Nervosität nehmen sollte oder nicht. Man muss dazusagen, dass ich, was meinen Kreislauf betrifft, manchmal eine kleine Mimose bin – ich hatte noch nie einen richtigen Kreislaufzusammenbruch, aber mir wurde gesagt, dass ich unbedingt was essen sollte, bevor ich die Tablette nehme, weil sie einige Patientinnen hatten, denen der Kreislauf dann versagte, weil der Blutdruck doch recht heruntergeschraubt wird dadurch. Da wusste ich einfach nicht, was für mich die größere Horrorvorstellung war: Umkippen oder die Operation komplett mitkriegen?

Am gleichen Tag abends hielt sich die Nervosität, bis auf ein paar „nervöse Schauer“ beim Gedanken an den nächsten Tag, in Grenzen und mein Gehirn erhielt das Gefühl der Unwirklichkeit tapfer aufrecht. Die Freude überwog bei Weitem.


Dann war es soweit, der Tag war gekommen! Bitte hier dramatische Musik einfügen. Jetzt konnte man schon von einer gesunden Nervosität sprechen, auch wenn ich nicht direkt in Panik war. Die Nacht davor hatte ich nicht mehr ganz so gut geschlafen und meine Gedanken kreisten. „Orge Scheiße! Es ist soweit! Das war’s Brille – auf Nimmerwiedersehen!“ aber auch „Werde ich das aushalten? Wird mein Kreislauf versagen? Soll ich die Tablette nehmen?“. Ich war also recht zwiegespalten.

Kurz bevor wir die Reise zum Augenlaserzentrum antraten – meine Eltern begleiteten mich – hatte ich mich immer noch nicht entschieden, ob ich die Tablette nehmen sollte oder nicht. Da man die aber eine Stunde vor dem Eingriff nehmen musste und meine Nervosität schon ein Level angenommen hatte, das nicht mehr so angenehm war, warf ich sie todesmutig ein und ergab mich meinem Schicksal.

Je näher wir unserem Ziel kamen, umso mehr wirkte die Tablette und umso weniger schnell schlug mein aufgeregtes Herz. Ich fühlte mich angenehm entspannt, war aber bei vollem Bewusstsein.



..weiter geht's im zweiten Teil!

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